Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

»RosaWinkelGedenkbuch«

Wilhelm Krüger



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 09.05.1889
Geburtsort: Augsburg | Bayern
Ermordet am: 05.05.1940
Letzter Wohnort: Kaiserslautern, Werderstraße 6
Initiator:  
Zum Lebensweg: Wilhelm Krüger wurde am 9. Mai 1889 in Augsburg in Bayern geboren und evangelisch getauft. Er wohnte später in Kaiserslautern in der Werderstraße 6 im heutigen Rheinland-Pfalz, war mit Elisabeth Krüger, geb. Wanner verheiratet und von Beruf Bankangestellter.

Das Landgericht Kaiserslautern verurteilte ihn 1936 wegen "widernatürlicher Unzucht" zu einer drastischen Zuchthausstrafe von drei Jahren.

Wieder frei:

"Unter Spionageverdacht lieferte die Geheime Feldpolizei im September 1939 einen Bankangestellten bei der Gestapo ab, der in einem von Militär belegten Lokal in einer Art Kriegstagebuch stenographierte Aufzeichnungen machte und auffällig Bekanntschaft zu den Soldaten suchte. Der wegen fünf Vergehen der widernatürlichen Unzucht 1936 bereits zu dreijähriger Zuchthausstrafe von Landgericht Kaiserslautern verurteilte 50jährige wurde auf Wunsch der Neustadter Gestapo von Heydrich sogleich in Schutzhaft genommen, da er des Landesverrats und der widernatürlichen Unzucht dringend verdächtig ist und erwarten läßt, er werde bei Freilassung den Gang der Ermittlungen stören."

Die inzwischen entschlüsselten Notizen von dem Verdächtigen nach dem Ende seiner Strafhaft angelegt in den Bemühen um Rechenschaft Selbstkontrolle, offenbarten fast tägliche Treffen ausnahmslos mit anderen Männern, wobei es freilich ausweislich des Tagebuchs sowie der Aussagen der verhörten Bekannten des Bankangestellten zu keinen sexuellen Handlungen kam. Lediglich ein 17-jähriger gab an, der ihm zufällig bekannt gewordene Mann habe ihn unter Hinweis auf das Leben großer deutscher Schriftsteller zu erklären versucht, was er unter wahrhafter Freundschaft verstünde und angefragt, ob er an seinem Leben teilhaben dürfe. Der Junge hatte nichts dagegen einzuwenden, verbat sich freilich jegliche Kontakte auf "sittlichem Gebiet", was der Bankangestellte bei den zwei noch folgenden Treffen auch einhielt. Dieses aber war der Aufhänger für die Gestapo in Neustadt, noch schwerere Geschütze gegen seine Homosexualität offensichtlich unterdrückenden Mann aufzufahren. Obwohl auch der Schlußbericht dem Urteil kam, daß "keine strafbaren Handlungen nach den Ermittlungen nachgewiesen werden können" und selbst bei dem Jungen der Fall "über straflose Vorbereitungshandlungen nicht hinausgegangen ist", beweise "gerade diese Bekanntschaft" aber dessen "Gefährlichkeit, [...] junge unverdorbene Burschen zu verführen", da er trotz allen Versprechungen und Beteuerungen nicht von seinem Triebe lassen" könne. Am 30. Dezember 1939 ordnete das Gestapa die Überführung in die Strafkompanie des KZ Sachsenhausen an. Dem dortigen Komandanten entwarf man hingegen das Bild eines Sex-Monters, dessen "homosexuelle Anspielungen" nur an dem "charakterfesten Verhalten" und "energischen Widerstand" des "jungen Mannes" gescheitert sein. Sein ganzes Sinnen und Trachten dienen nur der Befriedigung seines anormalen Geschlechtstriebes. Durch die jahrelange gegenseitige und Selbstonanie sei er körperlich und geistig so heruntergekommen, dass ihm in sittlicher Hinsicht jegliche Hemmung fehle. Daß ihm kein strafrechtlich ausreichender Tatbestand nachgewiesen werden konnte, sei lediglich seiner verbrecherischen Gerissenheit zuzuschreiben. Demzufolge ließ auch der Neustadter Gestapo-Beamte bei der ersten Schutzhaftprüfung am 2. März 1940 keinen Zweifel daran, daß auch künftig wegen der Kürze der Schutzhaft und der Vorstrafen des Verdächtigen im Interesse der Staatssicherheit dessen verbleiben im Lager während der Kriegszeit für zweckmäßig gehalten werde. Diesem Ansinnen freilich weigerte sich der KZ-Häftling." 1

Offensichtlich lagen keine homosexuellen oder andere strafbare Handlungen vor. Trotzdem deportierte man ihn Ende Dezember 1939 in das KZ Sachsenhausen, wo er wohl am 14. Januar 1940 eintraf, ihn die SS als "§175-Schutzhäftling" einstufte und er als "Rosa-Winkel-Häftling" die Häftlingsnummer 6.562 erhielt. Er kam als "Homosexueller" in die Strafkompanie und wurde am 5. Mai 1940 im Alter von 50 Jahren im KZ Sachsenhausen ermordet.


Bild: 🔎 Sterbeurkunde Standesamt Oranienburg,
Todesursache: "Freitod durch Erhängen"

Fußnoten:
1 Burkhard Jellonnek: Homosexuelle unter dem Hakenkreuz: die Verfolgung von Homosexuellen im Dritten Reich, Paderborn: Schöningh, 1990, S. 217 ff.
Quellen:
• KZ Sachsenhausen 1936 - 1945: ⟩  Internet-Totenbuch
• Arolsen Archives, Sterbebucheintragungen über verstorbene Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen ⟩  DocID 4121992