Gedenktafel für die homosexuellen Opfer KZ Sachsenhausen & KZ Ravensbrück

»RosaWinkelGedenkbuch«

Ludwig Honig



Homosexueller Jude!

Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 04.04.1897
Geburtsort: Posen | Preußen
Ermordet am: 19.06.1941
Beisetzungort: ⟩  Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee, Grab-Nr. 106-061
Letzter Wohnort: ⟩  Berlin-Halensee, Cicerostraße 61
Initiator:  
Zum Lebensweg:

Ludwig Honig wurde am 4. April 1897 als Sohn von Josef Honig (1860–1933) und Johanna Sara, geb. Peyser (1863–1941), in Posen geboren – dem früheren Preußen und heutigen Poznań, der Hauptstadt der Woiwodschaft Großpolen. Er hatte drei Geschwister: Fritz Siegbert Honig (1893–1943), Helene Gordan (1895–1960) und Kurt Adolf Honig (1905–1907). Da er jüdischer Abstammung war, zwangen die Nationalsozialisten ihm später den zweiten Vornamen „Israel“ auf.

Der Ledige Ludwig wohnte in Berlin-Halensee in der Cicerostraße 61. Genau wie sein älterer Bruder Fritz Siegbert war auch er als Kaufmann in der väterlichen Holzfirma Joseph Honig tätig. Der Vater starb bereits 1933 mit 73 Jahren. Die Mutter Johanna sollte noch die Verurteilung des Sohnes Ludwig, seine erneute Verhaftung und seinem Tod im KZ erleben. Diese Mitteilung scheint ihren eigenen Tod nur 5 Tage darauf bewirkt haben. Ihr Sohn wurde am 22. Juli 1941 auf dem ⟩ jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt, sie kurz darauf. Der Bruder war offenbar schon nach Frankreich gegangen, von wo er am 10. August 1942 aus Drancy nach Ausschwitz deportiert werden sollte.

Der Polizei Berlin war er seit 1926 als Homosexueller bekannt. Er wurde mehrfach in Berlin wegen "widernatürlicher Unzucht" nach §175 RStGB verurteilt. Das Schöffengericht 603 in Berlin verurteilte ihn beispielsweise am 10. April 1937 wegen öffentlichen Ärgernisses im Zusammenhang mit homosexuellen Handlungen zu einer Geldstrafe von 1000,00 Reichsmark oder ersatzweise 250 Tage Gefängnishaft.

Die Polizei deportierte ihn am 1. Oktober 1940 in das KZ Sachsenhausen, wo die SS ihn als "Jüdischen §175-Schutzhäftling" einstufte. Als "jüdischer Rosa-Winkel-Häftling" erhielt er die Häftlingsnummer 34.275 und befand sich 1941 im Block 36. Nach einer Erkrankung wurde er am 5. Januar 1941 in das Häftlingskrankenrevier verlegt. Offenbar war er auch im Juni 1941 noch krank, denn SS-Ärzte wählten ihn für einen Euthanasie-Transport mit Invaliden und nicht mehr arbeitsfähigen Häftlingen in die Tötungsanstalt ⟩ Pirna-Sonnenstein aus. Diese Deportation, die am 5. Juni 1941 abfuhr, wurde als „Kommando S“ bezeichnet und umfasste insgesamt 269 Personen. In der ⟩  Gaskammer mit Kohlenmonoxid ermordet.

 🔎 Transportliste Aktion 14f13, Yad Vashem Item-ID 10481717

In der digitalen Sammlung der internationalen Holocaust-Gedenkstätte ist die Transportliste vom KZ Sachsenhausen in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein zur „Aktion 14f13“ mit seinem Namen erhalten. In dieser Transportliste ist auch sein Leidensgenosse ⟩  Ernst Johannes Knappe eingetragen.

Um seinen Tod zu vertuschen, gab man als offizielle Todesursache eine angebliche „Allgemeininfektion“ an, an der er am 19. Juni 1941 im Alter von 44 Jahren verstorben sei. So steht es im Sterbebuch von Oranienburg unter der Nummer 962 vom 24. Juni 1941.

Bild: 🔎 Sterbeurkunde Standesamt Oranienburg,
Todesursache "Allgemeininfektion".

Eine Gedenkwand im Keller der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein erinnert an die Opfer der Euthanasie-Morde – dort findet sich auch sein Name.

Foto: 🔎 Bildausschnitt der Gedenkwand; Lothar Dönitz, Berlin, 2026.

Aus der: ⟩  Zentralen Datenbank der Namen der Holocaustopfer Yad Vashem ¦ Shoah Opfernamen:

»Ludwig Honig wurde im Jahr 1897 geboren. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte er in Berlin, Deutsches Reich. Während des Krieges war er in Berlin, Deutsches Reich.
Ludwig wurde in der Schoah ermordet.
Quelle dieser Informationen: Liste von Deportierten aus Berlin, Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer des Nazionalsozialismus, Freie Universität Berlin, Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung, Edition Hentrich, Berlin 1995.
«

 🔎 Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus

Aus dem Bundesarchiv: Gedenkbuch ⟩  Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945:

»Honig, Ludwig
geboren am 04. April 1897 in Posen (poln. Poznan) / - / Posen
wohnhaft in Berlin (Wilmersdorf)
Inhaftierung:
01. Oktober 1940 - 05. Juni 1941, Sachsenhausen, Konzentrationslager
Deportation: ab Sachsenhausen, Konzentrationslager
05. Juni 1941, Sonnenstein bei Pirna, Tötungsanstalt
Todesdatum: 05. Juni 1941
Todesort: Sonnenstein bei Pirna, Tötungsanstalt«

Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover, Dezember 2017. Ergänzt und überarbeitet von Lothar Dönitz, Berlin 2026.
Quellen:
• KZ Sachsenhausen 1936 - 1945: ⟩ Internet-Totenbuch
• Vgl. Müller, Joachim, Homosexuelle Juden, in: Müller, Joachim, Sternweiler, Andreas, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 176-177.
• Arolsen Archives, Sterbebucheintragungen über verstorbene Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen ⟩ DocID 4119787
• Arolsen Archives, Inhaftierungsdokumente/Deportationen und Transporte/Karteikarte Deportatioen ⟩  DocID 11237200
• Arolsen Archives, Zählkarte Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, Wohnort: Berlin-Halensee ⟩  DocID 12659058
• Yad Vashem Item-ID 10481717